|
Durch mündliche Überlieferung wissen wir, daß bereits Mitte des 19. Jahrhunderts Musikanten aus Biberach im Dorf und in der näheren Umgebung bei kirchlichen und weltlichen Feierlichkeiten aufspielten. Den ersten schriftlichen Nachweis darüber findet man in den Gemeindebüchern des Jahres 1876. Um 1905 war die Blasmusik Biberach bis zum Beginn des ersten Weltkrieges “Stadtmusik für Weißenhorn”. Dann wurden alle Musikanten einberufen.
Im Jahre 1919 gründete Dirigent Josef Hornung die Musikkapelle Biberach-Weißenhorn neu. Aus dieser Zeit sind uns folgende elf Musiker benannt: Max Bezet, Alois Goßner, Alois Hochenbleicher, Moritz Kenzle, Martin Hochenbleicher, Johann Hofmayr, Stefan Metz, Jakob Leutenmaier, Oskar Mareis, Alois Schäfer und Johann Moll. Aus einer Festschrift anläßlich des 8. Bezirksmusikfestes am 19. und 20. Mai 1929 in Tiefenbach geht hervor, daß die Musikkapelle Biberach mit 18 Mann in der Oberstufe beim Musik- wettbewerb teilgenommen hat. 1939 erhielt dann Weißenhorn eine eigene Kapelle, und so widmete sich Josef Hornung überwiegend der örtlichen Blaskapelle. Während des zweiten Weltkrieges hielten ältere Musikanten die Kapelle am Leben. Nach dem Krieg formierte sich die kleine Kapelle neu unter dem Dirigenten Moritz Kenzle. Seit dem Jahr 1952 ist die Kapelle offiziell beim Allgäu-Schwäbischen Musikbund gemeldet. In den weiteren Jahren bis 1960 wurde die Musikkapelle durch die Musikanten Hermann Bertele, Martin Hochenbleicher, Lothar Klier, Rudolf Klier, Rudolf Snehotta, Sebastian Stocker, Alfred Wiederer und Erwin Wiederer weiter ausgebaut. Daraufhin wurde dann eine einheitliche Kleidung in Form eines Schützenanzuges angefertigt.
Nach 40-jähriger Tätigkeit gab Moritz Kenzle im Jahr 1960 das Amt des Dirigenten weiter an Hermann Gregg. Der erste Höhepunkt unter neuer Leitung war dann die Teilnahme am 9. Bezirksmusikfest am 24. Juli 1961 in Krumbach, bei dem die Musikkapelle Biberach mit 14 Musikern teilgenommen und einen ersten Rang erreicht hat. In der Folgezeit wurden regelmäßig Musikfeste besucht, unter anderem auch das 10. Bundesmusikfest 1964 in Schwabmünchen. Im Laufe der nächsten Jahre kamenn folgende Musikanten zur Kapelle hinzu: Josef Goßner, Anton Hanika, Alois Held, Rudolf Konrad, Josef Sauter, Gerhard Snehotta und Walter Spinnler. Dadurch war es möglich, verschiedene Gemeinschaftskonzerte mit benachbarten Kapellen zu veranstalten. Im Jahr 1969 wurde der Schützenanzug durch eine neue schwäbische Tracht ersetzt. Im jahr 1971 übergab der bisherige Dirigent Hermann Gregg sein Amt an den ersten Klarinettisten Martin Hochenbleicher.
Das 100-jährige Jubiläum konnte die Musikkapelle Biberach 1977 feiern. In diesem Jahr wurde die Musikapelle Biberach mit der Durchführung des Bezirksmusikfestes beauftragt. Aufgrund der mehr als 100-jährigen Tradition wurde die Kapelle am 14. Mai 1977 im Kaisersaal der Benediktinerabtei Ottobeuren mit der Pro-Musica Plakette des Bundespräsidenten ausgezeichnet. In der Generalversammlung am 15. März 1980 wurde die Gründung eines eingetragenen Vereins beschlossen und die Satzung verabschiedet. 1982 konnte die Kapelle nach einer Werbeaktion 22 Jungmusiker gewinnen. Am 8. Mai 1983 wurde im Refektorium des Klosters Roggenburg ein großes Gemeinschaftskonzert veranstaltet. Mit einem Marsch stellte sich bei diesem Konzert der Nachwuchsdirigent der Musikkapelle Biberach, Günter Hochenbleicher der Öffentlichkeit vor. Seit 1984 ist Günter Hochenbleicher nun im Amt. Unter seiner Leitung wirkte die Musikkapelle 1986 neben verschiedenen anderen Kapellen und Solisten beim Bezirkskonzert in der Klosterkirche in Roggenburg mit. Im Juli 1987 feierte die MusikkapelleBiberach ihr 110-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß veranstaltete sie ein viertägiges Musikertreffen mit Sternmarsch und einem Gastspiel der “Allgäuer Dorfmusikanten”. Beim Festakt wurden Hermann Gregg zum Ehrendirigenten und Josef Kühner zum Ehrenmitglied ernannt. 1988 nahm die Musikkapelle Biberach am Umzug des internationalen Musikfestes in Buchloe teil. Als Vorbereitung für das Frühjahrskonzert fand 1980 zum ersten Mal das “Musikalische Wochenende” im Haus Hirschgund in Siebratsgfäll mit viel Probearbeit und Geselligkeit statt. 1996 konnte die Musikkapelle auf eine bereits 20-jährige Freundschaft mit der Musikkapelle Biberach bei Heilbronn zurückblicken. Zur 120-Jahrfeier der Musikkapelle wurde zusammen mit unseren Musikfreunden aus Biberach bei Heilbronn mit einem großen Jubiläumskonzert im Jahr 1997 gefeiert.
Nach mehrjährigen Verhandlungen und Vorbereitungen erfolgte im Frühjahr 1999 der Spatenstich zum Bau des gemein- samen Vereinsheims im ehemaligen Garten des Anwesens Grüner, den die Baugemeinschaft, bestehend aus Musikkapelle, Schützen- und Sportverein, zu diesem Zweck erwerben konnte. Bereits nach fünf Monaten wurde der Rohbau ind im Verlauf des Jahres 2000 der etwa 100m² große Musikproberaum in ca. 1800 freiwilligen Arbeitsstunden fertig gestellt. Im Jahr 1999 wurden die weiblichen Mitglieder der Musikkapelle und ein Jahr später auch die Männer mit neuen schwäbischen Trachten ausgestattet. Im Jahr 2001 wurden die Vorstandschaft und der Musikerausschuß neu gewählt, so daß sich folgende neue Zusammensetzung ergibt: 1. Vorstand Gerhard Snehotta, 2. Vorstand Alois Stetter, Schriftführerin Susanne Zelinka, Kassierer Josef Sauter, Dirigent Günter Hochenbleicher, Jugendleiter Hubert Stetter, Bekleidungswart Petra Eckel, Notenwart Franz Kuchelmeister, Beisitzer Thomas Bechtold, Hermann Bertele jun und Otto Stetter jun.
Der Initiative aller Biberacher und Ascher Bürger wird es überlassen bleiben, der heimischen Blasmusik weitere Nachwuchs- talente zuzuführen, damit auch in Zukunft das Bestehen der Musikkapelle Biberach gesichert ist.
|